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Welche Versicherung man haben sollte – und welche man sich sparen kann



Ob bei Unfall, Krankheit oder Schaden – Versicherungen sollen für den Ernstfall absichern. PRIMERANOCONSULTING widmet ihnen deshalb ein eigenes Versicherungen-Dossier. Warum versichern überhaupt so wichtig ist, hat Teil 1 erklärt. Welche Versicherungen sich lohnen – und welche nicht – zeigt Teil 2.


Angst macht Menschen offenbar besonders kreativ. Und weil das so ist, bewahrheitet sich gerade bei Versicherungen der Satz: Es gibt wohl nichts, was es nicht gibt. Oder hätten Sie gedacht, dass es Policen gibt, mit denen Sie sich gegen die Entführung von Außerirdischen versichern lassen können? Oder mit denen Unternehmer eine Ausgleichszahlung bekommen, falls mehrere ihrer Mitarbeiter gleichzeitig im Lotto gewinnen und deshalb kündigen? Auch für das Steckenbleiben im Fahrstuhl kann man sich entschädigen lassen, zumindest finanziell.


Es gibt Versicherungen gegen fast alles, und genau deshalb ist es so enorm schwierig, bei diesem Thema alles richtig zu machen. Denn welche Verträge sind wirklich notwendig beziehungsweise völlig überflüssig?


Bei den Policen gegen Außerirdische wäre die Sache für rund 99,9 Prozent aller Menschen klar. Doch schon die Fahrstuhlpolice wird für Menschen mit Platzangst interessant sein, die in Bürohochhäusern arbeiten. Und was ist mit Verträgen, die bei Mehrlingsgeburten größere Summen zusagen? Die sind durchaus sinnvoll, weil Drillinge und Vierlinge gar nicht so selten vorkommen und ihre Eltern viel Geld kosten. Darüber, dass Julia Roberts ihr Lächeln für 20 Mio. US-Dollar hat versichern lassen und Tom Jones für 5 Mio. US-Dollar sein Brusthaar, kann man schmunzeln. Aber ist das im Grunde nicht nur eine besondere Art von Berufsunfähigkeitspolice, die große Stars da abschließen? Völlig abwegig sind diese Versicherungen nicht.


Tatsächlich können Sie sich finanziell gegen alle möglichen Dinge absichern, vor denen Sie Angst haben. Aber wirklich sinnvoll ist es nicht, denn ein höheres Schutzlevel kostet auch Monat für Monat viel Geld. Und längst nicht alle der Ereignisse, vor denen wir uns fürchten, treten auch ein. Deshalb kommen manche Policen uns auf Jahre gesehen viel teurer zu stehen, als wenn wir wirklich einmal einen Schaden verkraften müssten und den dann aus eigener Tasche bezahlen würden.


Einige der Lieblingsbeispiele der Verbraucherschützer sind in diesem Zusammenhang die Skibruch- oder Reisegepäckversicherungen oder die Policen gegen Handy- und Brillenverlust. Natürlich ist es ärgerlich, wenn Sie sich mitten im Skiurlaub den Carvingski ramponieren oder wenn die neu gekaufte Brille irgendwo verloren geht, und Sie die Objekte ersetzen müssen. Die Frage ist, ob der Schaden so dramatisch ist, dass Sie dafür, sagen wir mal 5 Euro im Monat zahlen? Das sind immerhin 600 Euro in zehn Jahren, dafür könnten Sie auch Ersatz besorgen falls notwendig.


Nun haben Menschen Angst vor schlimmen Ereignissen oder plötzlichen Mehrausgaben. Sie neigen dazu, sich ihre Welt so sicher wie möglich machen zu wollen. Deshalb würden sie gern jedes Risiko von vornherein ausschließen, oder zumindest für den eingetretenen Schaden entschädigt werden. Aber die Grundregel beim Versichern sollte lauten: Versichere nur das, was Du nicht aus eigener Kraft ersetzen kannst und nicht mit einer vertretbaren Summe.


Nun lässt sich trefflich darüber streiten, was eine „vertretbare Summe“ ist. Der eine wird bereits bei 500 Euro überfordert sein, der andere wird erst bei 2000 Euro anfangen zu stöhnen. Umgekehrt aber sollte man einmal über Folgendes nachdenken: Die Bundesbürger geben jedes Jahr pro Kopf im Schnitt knapp 2400 Euro für Versicherungen aus. Das sind 200 Euro jeden Monat. Was könnten Sie damit alles machen und ersetzen, wenn Sie es einfach erst einmal sparen würden?

Wie sinnvoll also geben wir das Geld für Versicherungen aus? Von den 200 Euro monatlich fließt fast die Hälfte in Altersvorsorgepolicen, vor allem in Rentenversicherungen. Nun kann man sagen: Damit wachsen die Ersparnisse fürs Alter, also alles richtig gemacht.


Doch das galt vielleicht früher einmal: Inzwischen sehen Verbraucherschützer das ganz anders, schließlich sind solche Verträge wegen der Niedrigzinsen und hohen Risikoabschläge äußerst unlukrativ, außerdem sind sie sehr unflexibel. Insgesamt gibt es daher weitaus bessere Möglichkeiten, Geld für später zu sparen. Die andere Hälfte der 2400 Euro zahlen wir für Sachversicherungen allen voran Autoversicherungen, Rechtschutz- und Unfallpolicen. Und eben auch für allerlei Versicherungen, die kein Mensch braucht. Warum wir sie trotzdem abschließen?

Weil Versicherungsvermittler uns gern bei unseren Ängsten packen und dann beruhigen, dass wir uns viel weniger Sorgen machen müssten, wenn wir all diese Policen hätten. Sie finden sie natürlich super-notwendig, weil sie daran verdienen, wenn wir sie abschließen.


Auch unser Beruf hat einen großen Einfluss darauf, für wie wahrscheinlich wir selbst bestimmte Ereignisse halten, haben Risikoforscher herausgefunden: Ärzte, Richter oder Anwälte zum Beispiel, die den ganzen Tag mit den Auswirkungen von riskantem Verhalten oder Katastrophen zu tun haben, halten negative Ereignisse demnach für deutlich wahrscheinlicher. Sie erleben in ihrem Beruf so viel Negatives, dass sie überschätzen, wie häufig solche schlimmen Fälle über die Grundgesamtheit der Bevölkerung eintreten. Andere Berufsgruppen dagegen wie Aktienhändler, Selfmade-Unternehmer oder Stuntmen, die täglich mit dem Risiko umgehen – und meistens gewinnen – halten eher das Positive für normal. Das sollte man sich auch vergegenwärtigen, wenn die besten Freunde oder Eltern einem sagen, welche Versicherungen dringend gebraucht werden.


Manchmal hängt es auch von unserer Gefühlslage ab, ob wir empfänglich für den Versicherungsabschluss sind oder nicht. Das fanden Forscher heraus, die Probanden Zeitungsartikel lesen ließen, die sie entweder in gute Stimmung versetzten oder in schlechte. Danach sollten sie bestimmte Risiken einschätzen und auch ihre eigene Lebenserwartung. Das Ergebnis war eindeutig: Wer negative Zeitungsmeldungen las, der schätzte auch die eigene Zukunft düsterer ein. Die Gutgelaunten hielten negative Ereignisse für weniger wahrscheinlich und gingen auch davon aus länger zu leben. Von daher sollten Sie Versicherungen lieber abschließen, wenn Sie gerade gute Laune haben.


Diese Policen kann man sich sparen:


Renten- und kapitalbildende Lebensversicherungen – zu teuer, kaum Ertrag


Vereinfacht gesagt sind das ultra-langfristige Sparverträge, die momentan wegen der Nullzinsära so gut wie keine Renditen mehr abwerfen, dafür aber hohe Kosten haben. Der Garantiezins, den Versicherer zurzeit bieten liegt 2020 bei 0,9 Prozent und soll 2021 abgesenkt werden. Dann wird er höchstens noch 0,5 Prozent oder noch weniger betragen.


Vor allem aber: Dieser Zins gilt nur für den Sparbetrag, also für jenen Teil der Beiträge, die nach Abzug aller Kosten und Risikozuschläge tatsächlich auf dem Versichertenkonto gutgeschrieben werden. Allzu oft kommen am Ende – also nach 30 Jahren Spardauer – sogar Minusrenditen bei vielen Verträgen heraus. Das lohnt sich nicht wirklich. Auch nicht, wenn die Kunden Fondspolicen abschließen, bei denen Versicherer gern argumentieren, die würfen ja ähnliche Renditen wie Aktieninvestments ab. Und die seien hoch. Aber: Von diesen Erträgen streichen natürlich die Versicherer einen Gutteil ein, bei den Kunden dagegen kommen nach Abzug aller Kosten ebenfalls nur kleine Erträge an.


Ein beliebtes Argument der Branche ist auch: Dafür reiche das Geld aber wirklich bis ans Lebensende, denn eine Rentenversicherung sichere das Langlebigkeitsrisiko ab und zahle bis zum Tod. Beim Selbersparen und der späteren Entnahme dagegen riskierten die Kunden, dass sie das Geld zu schnell aufbrauchten – weil sie nicht wüssten, wie lange sie leben werden. Fakt ist aber: Gerade diese Unsicherheit lassen sich Versicherungsunternehmen extrem gut bezahlen. Sie kalkulieren zu Beginn der Rentenphase mit enorm hohen Sicherheitsabschlägen, die das angesparte Kapital dann deutlich schmälern.


Insgesamt fressen bei solchen Policen die Kosten den allergrößten Teil der Rendite auf. Zudem sind sie unglaublich unflexibel, da man Einzahlungen über die Jahre kaum – oder nur mit wiederum hohen Kosten – anpassen kann, falls man selber in eine schwierige Finanzlage kommt. Deshalb sind solche starren Policen gerade für junge Leute nicht geeignet. Alterssparen geht heute anders besser.


Vor allem sollten Sie sich davor hüten, eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung mit einer Berufsunfähigkeitspolice zu koppeln. Auch wenn Berater das immer wieder mit den Worten anpreisen: „Damit sind dann am Ende wenigstens die Ausgaben für die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht verloren, falls man sie nicht in Anspruch nimmt.“


Was sie nicht sagen: Auch dieser Doppelschutz kostet wieder mehr Geld in Form von zusätzlichen Risikoabschlägen. Und wenn Sie später die hohen Einzahlungen in die Rentenversicherung stoppen wollen, dann ist der Berufsunfähigkeitsschutz gleich mit dahin. Und auch schwer wieder zu beschaffen, zumindest wird es extrem teuer, wenn Sie 40 Jahre und älter sind. Oder Sie sind nur noch auf niedrigstem Niveau gegen den Arbeitsausfall abgesichert. Wer also eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte das unbedingt separat tun. Auch wenn es schmerzt, dort 30 Jahre lang Beträge einzuzahlen, die im besten Fall später perdu sind.


Unfallversicherung – klingt gut, nützt aber selten


Eine Unfallversicherung klingt natürlich für die meisten Menschen sinnvoll. Ein schwerer Unfall hätte ja enorme Folge auf die Gesundheit und auf die Arbeitsfähigkeit. Die Angst davor ist entsprechend groß, zumal viele Unfälle nicht selbstverschuldet sind und jeder durch Zufälle oder das Handeln anderer zum Unfallopfer werden kann. Deswegen haben stolze 27 Millionen deutsche Haushalte eine solche Unfallpolice, das ist weit mehr als die Hälfte der rund 42 Millionen Haushalte.


Aber: Eine Unfallsversicherung zahlt in den meisten Fällen nur, wenn jemand nach einem Unfall bleibende Schäden davonträgt, also als schwerbehindert gilt. Allerdings sind nur zwei Prozent aller Schwerbehinderungen auch tatsächlich Unfallschäden. Die Gefahr, durch eine Krankheit bleibende Schäden davonzutragen, ist also weitaus höher als die, ein Unfallgeschädigter zu werden. Zudem sind die Versicherungssummen von Unfallpolicen meist so gering, dass sie einen tatsächlichen Schaden nicht wirklich abdecken. Im Ernstfall sind sie oft ein Trostpflaster, mehr nicht.


Daher sollten Sie besser so denken: Besser, ich spare das Geld auf einem Extrakonto an. Dann ist im Notfall ebenfalls eine fünfstellige Summe da, mit der ich mir helfen kann. Der Punkt, an dem uns unser Kopf hier aber einen Streich spielt, ist der: Müssen Sie so ein Sparkonto wegen eines Unfalles auflösen, wird das Gehirn das als zusätzlichen Verlust empfinden. Die Auszahlung aus einer Unfallpolice dagegen werden wir geistig als Gewinn verbuchen. Aber: Der statistisch weitaus häufigere Fall wird sein, dass der Sparer von einem Unfall verschont bleibt. Dann hat er das Geld auf dem Konto parat, um es für schöne Dinge auszugeben. Beim Versicherten ist das Geld unwiederbringlich weg.


Krankenhaustagegeldversicherung – verspricht viel, hält wenig


Auch eine Tagegeldversicherung, die im Notfall das Geld für den Krankenhausaufenthalt zahlt, braucht im Grunde niemand, sagen Verbraucherschützer. Auch Selbstständige nicht: Bei einem Krankenhausaufenthalt deckt die Krankenkasse den Verdienstausfall über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab, zumindest für die Dauer von sechs Wochen.


Zudem zahlt die Krankenhaustagegeldversicherung nur für medizinisch notwendige Krankenhausaufenthalte und auch nicht für die Zeit, die man ambulant zu Hause (weiter-)behandelt wird. Die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer kann sie außerdem nicht garantieren, das hängt von der Belegung im Krankenhaus ab. Und ob der Versicherte tatsächlich vom Chefarzt behandelt wird, entscheidet ebenfalls das Krankenhaus und nicht die Versicherung.


Den täglichen Extra-Obstkorb, den manche Versicherer auch anpreisen, können Sie sich selbst billiger besorgen, denn so eine Krankenhaustagegeldversicherung kostet pro Monat rund ein Fünftel dessen, was sie pro Krankenhaustag an Zahlung verspricht, lautet die Faustregel. Wer also 60 Euro pro Krankenhaustag bekommt, zahlt dafür rund 12 Euro im Monat, das sind 144 Euro im Jahr.


Das heißt: Sie müssten alle fünf Monate einen Tag in einer Klinik verbringen oder alle fünf Jahre regelmäßig länger als zwölf Tage, damit sich so eine Police rechnet. Erheblich sinnvoller finden Verbraucherschützer die Krankentagegeldversicherung. Sie deckt im Notfall die Einkommenslücke ab, die zwischen dem Krankengeld und dem üblichen Einkommen bleibt.


Sterbegeldversicherungen


Die Angst, nach dem eigenen Tod müssten die Angehörigen eine teure Beerdigung bezahlen, ist bei manchen Menschen ebenfalls groß. Wer das verhindern will, sollte ihnen aber lieber ein Bankkonto hinterlassen, an dem sie sich bedienen können, als eine Sterbegeldversicherung abzuschließen. Vor allem wenn er selbst bereits älter ist.

Eine Sterbegeldversicherung ist im Grunde nichts anders als eine Mini-Kapitallebensversicherung. Und die meisten dieser Policen sind schlicht zu teuer, warnen Verbraucherschützer – gerade für Ältere. Wer beispielsweise 65 Jahre alt ist und im Todesfall eine Summe von 5000 Euro ausgezahlt wissen will, der zahlt dafür schnell über 30 Euro im Monat. Das sind bei 20 Jahren Beitragsdauer stolze 7200 Euro. Also mehr, als die Angehörigen ausgezahlt bekommen.


Für Jüngere sind die Beiträge zwar niedriger, so zahlt ein 45-jähriger Versicherter in 20 Jahren Beitragsdauer zwar nur rund 3800 Euro ein. Steckt er das gleiche Geld in einen Fondssparplan, kommt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit etwa das Doppelte heraus. Alternativ könnte er zu derzeitigen Konditionen auch einfach einen Banksparplan abschließen. Selbst bei einer Verzinsung von rund 0,6 Prozent hätte er nach 20 Jahren ebenfalls über 4000 Euro, wenn er die bis zu seinem Tod auf dem Konto weiter verzinsen lässt, hätte er ebenfalls locker die 5000 Euro zusammen.


Außerdem unnötig:

Handyversicherungen, Reisegepäckversicherungen, Glasbruch- und Brillenversicherungen. Und Insassenunfallversicherungen (das zahlt ohnehin die KFZ-Versicherung).


Hier kann man es kurz machen: Die Reisegepäckversicherung ist zwar bei vielen Urlaubern beliebt – vor allem bei jenen, die schon mal ohne Koffer irgendwo ankamen – doch sie ist auch teuer. Man kann locker 120 Euro im Jahr dafür ausgeben, bekommt aber am Ende oft trotzdem weder seinen Koffer zurück, noch das Geld für dessen Inhalt. Denn die Klauseln vieler Verträge beinhalten viele Einschränkungen und die Gesellschaften erstatten den Schaden nur in seltenen Fällen, warnen Verbraucherschützer.


Im Prinzip müssen Sie das Gepäck die komplette Reise über so im Auge behalten, dass es gar nicht abhanden kommen kann. Nur, um sich von der Versicherung nicht vorwerfen zu lassen, man sei fahrlässig damit umgegangen. Überspitzt könnte man sagen: Nur für Schiffsreisende, denen die Louis-Vuitton-Koffer mit Prada-Kleidern aus der Kabine geklaut werden, lohnt sie sich.


Versicherungen gegen Bruch aller Art gibt es zuhauf. Aber viele Missgeschicke, die passieren sind eher klein. Deswegen kann man es getrost darauf ankommen lassen, anstatt eine Spezialpolice abzuschließen. Zumal viele Gesellschaften ohnehin nur den Zeitwert solcher Gebrauchsgegenstände erstatten, der meist viel kleiner ist als der Neubeschaffungswert. Gehen wirklich einmal Brille, Ski, Handy oder Glasscheiben zu Bruch, ist das selten so teuer, dass man in den finanziellen Ruin stürzt – es sei denn, es ist die eigene Ehe. Dagegen hilft dann keine Versicherung, aber immerhin ein Ehevertrag.


Darüber kann man streiten: Die Hausratversicherung


Viele Menschen haben eine Hausratversicherung, weil sie Angst haben, dass ihre Einrichtung durch einen Brand, einen Wasserrohrbuch oder einen Einbruch so zerstört werden könnte und sie immense Summen für eine neue Einrichtung hinlegen müssten. Gegen Überschwemmungen und Hochwasser hilft sie aber zum Beispiel nicht, außer wenn ein Elementarschaden Zusatzschutz besteht.


Verbraucherschützer halten diese Versicherung in den meisten Fällen für überflüssig: Eine Hausratversicherung brauche nur, wer extrem teures Mobiliar besitzt. Aber dann wird auch die Police recht teuer. Selten ist außerdem gleich die Gesamteinrichtung durch einen Schaden verloren. Und beim Wiederherstellen einzelner Räume helfen auch günstige Möbelhäuser. Auch Besitzer teurer Fahrräder schließen oft Hausratversicherungen ab, um ihre Räder zu schützen. Sie sollten aber genau hinsehen, wie hoch der Aufpreis ist, welcher Fahrradwert notfalls ersetzt wird und vor allem in welchen Situationen und zu welchen Uhrzeiten die Räder überhaupt mitversichert sind. Oft gelten hier nämlich komplizierte Ausschlussklauseln.


Diese Versicherungen sollte man dagegen haben:


Haftpflichtversicherung


Sie ist tatsächlich die wichtigste Versicherung von allen: die private Haftpflichtversicherung. Denn schnell kann schon eine kleine Unachtsamkeit dazu führen, dass jemand anders durch unser Verschulden zu Schaden kommt. Der herabfallende Blumentopf vom Balkon verletzt einen Passanten, der nicht zugedrehte Wasserhahn überschwemmt die Mietwohnung, ein Radler bringt einen Fußgänger zum Sturz.


Besonders wenn Personen oder Gebäude schwer beschädigt werden, kann der Schadenersatz, den die Geschädigten verlangen, enorm hohe Summen annehmen. Im Ernstfall können die Regressforderungen dann existenzbedrohend sein, wenn Sie nicht versichert sind. Deshalb sollte jeder Erwachsene eine private Haftpflichtpolice besitzen. Sie zahlt übrigens auch, wenn wir Schäden fahrlässig verursachen. Und selbst gute Verträge kosten nicht mehr als rund 50 Euro im Jahr. Das ist eine Ausgabe, die sich wirklich lohnt.


Berufsunfähigkeitsversicherung


Allgemein raten Verbraucherschützer, dringend die eigene Arbeitsfähigkeit abzusichern. Und zwar möglichst früh, denn je eher (und gesünder) Sie eine solche Police erwerben, desto günstiger ist sie. Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein monatliches Einkommen gesichert, falls Sie durch eine dauerhafte Erkrankung irgendwann nicht mehr in der Lage sein sollten, den eigenen Beruf auszuüben. Vor allem für den Hauptverdiener einer Familie ist diese Absicherung wichtig und für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben, weil sie keine nennenswerten anderweitigen Einkünfte haben.

Denn im Falle der Arbeitsunfähigkeit zahlt zwar die gesetzliche Rentenkasse eine Erwerbsminderungsrente, doch deren monatliche Höhe reicht für die meisten Menschen nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Sie liegt im Schnitt bei gut 700 Euro. Zudem zahlt die gesetzliche Kasse erst, wenn der Betroffene tatsächlich so gut wie gar keiner Arbeit mehr nachgehen kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung aber zahlt in der Regel, wenn der Kunde im versicherten und zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Hier liegt auch schon der große Knackpunkt: Häufig ringen Versicherte und Versicherungsunternehmen im Ernstfall lange darum, wann und wie schnell tatsächlich eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt werden muss – und ob überhaupt. Denn laut Versicherer muss der Erkrankte dafür zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sein. Aber wann ist er das? Und welche Schäden oder Einschränkungen muss er dafür wirklich vorweisen? Könnte er nicht sehr wohl noch im Beruf aber in einem anderen Umfeld arbeiten? Und lag eventuell eine Vorschädigung vor, die der Versicherte verschwiegen hat, weswegen die Versicherung in Einzelfällen dann doch nicht zahlen muss? Der Streit darüber kann sich lange hinziehen.


Zudem sind die Beitragszahlungen für solche Policen oft recht üppig. Gerade in jenen Berufen, in denen viele Mitarbeiter berufsunfähig werden, etwa bei Dachdeckern, Straßenbauarbeitern, Kraftfahrern und Kurierdiensten. Hier muss oft jeder Zweite vorzeitig den Beruf an den Nagel hängen. Akademische Berufe dagegen sind weitaus weniger betroffen, bei Ingenieuren und Rechtsbediensteten ist es nur eine kleine einstellige Prozentzahl. Häufig schüren Versicherer Angst, indem sie warnen, jeder Vierte werde statistisch gesehen im Laufe seinen Lebens berufsunfähig, was nur eine grobe Durchschnittsrechnung aus den Prozentzahlen stark betroffener und wenig betroffener Berufe ist. Über die tatsächlichen Fallzahlen sagt das sehr wenig aus, es kommt stark auf den eigenen Beruf an.


Zudem sagen die Versicherungskonzerne nicht dazu, dass „berufsunfähig werden“ längst nicht bei jedem Betroffenen bedeutet, dass dieser Zustand auch bis ans Ende des Berufslebens andauert. Oft können die Betroffenen später wieder ihre Arbeit aufnehmen. Eine der häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind heutzutage nämlich psychische Störungen wie Depressionen oder Burn-out. Und so schlimm solche Erkrankungen auch für jeden Einzelnen sind – in der Regel halten sie nicht unverändert bis zur Rente an.


Daher muss jeder für sich selber prüfen: Welchen Beruf will ich absichern? Wie hoch ist vermutlich mein persönliches Risiko, meinen jetzigen Beruf nicht bis zur Rente auszuüben? Könnte ich mir vorstellen, auch einer anderen Arbeit nachzugehen? Und lohnt sich ein sehr hoher Monatsbeitrag wirklich? Eine sehr viel günstigere Alternative zur teuren Berufsunfähigkeitspolice kann auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung sein.


Eventuell eine Option: Risikolebensversicherung


Eventuell kann man noch über eine Risikolebensversicherung nachdenken, wenn man Partner oder Kinder absichern will, oder gerade eine Immobilie gekauft hat:

Ganz wichtig ist: Eine Risiko-Lebensversicherung ist kein Sparvertrag! Sie sparen damit nicht fürs Alter – und bekommen auch nichts ausbezahlt, wenn Sie in Rente gehen. Und das ist auch gut so, denn das Überleben der Versicherten ist schließlich der Normalfall, weswegen die Police auch nur ein paar Euro im Monat kostet. Bei der Risiko-Lebensversicherung bekommen die Angehörigen eine große Geldsumme ausgezahlt, falls Sie selbst vorzeitig sterben sollten. Mit solchen Policen können Sie als Haushaltsvorstand – der den Hauptteil des Einkommens verdient – also die übrigen Familienmitglieder absichern

Zudem ist sie sinnvoll, wenn Paare gerade gemeinsam ein Eigenheim gekauft haben, das der Partner alleine nicht abzahlen könnte. Sollte der schlimmste Fall eintreten, dann müsste der überlebende Partner wenigstens das Haus nicht zwangsweise verkaufen, sondern könnte aus der Versicherungssumme die Raten weiter bestreiten oder bestenfalls den Kredit tilgen. Dann wäre zumindest der finanzielle Schmerz nicht ganz so groß. In solchen Fällen ist eine Risiko-Lebensversicherung durchaus sinnvoll.


Nicht jede Versicherung sorgt für den richtigen Schutz im Ernstfall. Für den Fall der Berufsunfähigkeit sollte man sich aber in jedem Fall absichern. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt deshalb als eine der wichtigsten Versicherungen.

Was es beim Abschluss zu beachten gibt, erfahren Sie in Teil 3.

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